Rezension

Hard Land | Benedict Wells

Inhalt


Missouri, 1985: Um vor den Problemen zu Hause zu fliehen, nimmt der fünfzehnjährige Sam einen Ferienjob in einem alten Kino an. Und einen magischen Sommer lang ist alles auf den Kopf gestellt. Er findet Freunde, verliebt sich und entdeckt die Geheimnisse seiner Heimatstadt. Zum ersten Mal ist er kein unscheinbarer Außenseiter mehr. Bis etwas passiert, das ihn zwingt, erwachsen zu werden. Eine Hommage an 80’s Coming-of-Age-Filme wie ›The Breakfast Club‹ und ›Stand By Me‹ – die Geschichte eines Sommers, den man nie mehr vergisst.

Text: Diogenes

  • Reihe: Einzelband
  • Autor/in: Benedict Wells
  • Verlag: Diogenes
  • Preis: 24€
  • Seiten: 352
  • Erschienen: Februar 2021
  • Genres: Roman

Meine Meinung


Nach seinem Meisterwerk Vom Ende der Einsamkeit legt Ausnahmetalent Benedict Wells seinen nächsten großen Roman vor. In Hard Land geht es um den 15-jährigen Sam, der es im Leben nicht leicht hat. In seiner Heimat, der amerikanischen Kleinstadt Grady, ist nie etwas los, seine Mutter leidet an Krebs, sein Vater scheint nichts mit ihm anfangen zu können, die Schwester lässt sich kaum noch blicken, von den anderen Jugendlichen wird er gemobbt und Freunde hat er auch keine, geschweige denn irgendein Mädchen in Aussicht. Doch dann fängt er einen Job im alten Kino an und trifft dort auf Kirstie, Cameron und Hightower. Für Sam beginnt ein Sommer voller Höhen und Tiefen, neuer Erfahrungen und des Erwachsenwerdens.

Es sind vor allem vier Aspekte, die Benedict Wells‘ Werke ausmachen: Tiefgründige, real wirkende Charaktere, eine angenehm melancholische Stimmung, dieser intelligente und oft überraschend platzierte Humor sowie das gewisse Retro-Flair eines vergangenen Jahrzehnts. Außerdem spielen Musik und Literatur immer eine große Rolle. Diese Besonderheiten begleiten uns auch durch die Geschichte von Hard Land. Man fühlt von der ersten bis zur letzten Seite mit, lacht beim Lesen laut auf oder muss zwischendrin das ein oder andere Tränchen verdrücken. Es ist unglaublich, welch eine Welle der Gefühle diese Bücher auslösen.

Der Autor schafft es wie kaum ein anderer, das Innenleben eines Heranwachsenden und den Prozess des Erwachsenenwerdens in genau die richtigen Worte zu verpacken. Wells‘ Protagonisten folgen dabei stets einem gewissen Muster: Ein kleiner, eher schmächtiger Teenager, der noch nicht viel von Bartwuchs oder Frauen versteht, als ein Sonderling und Tagträumer gilt. Einfach Menschen wie du und ich, die viel realer, viel echter wirken als bloße Romanfiguren. Man fühlt sich Sam beim Lesen so nahe, fast als lauschte man den Erzählungen eines alten Freundes. Genau dieses Gefühl hatte ich schon mit dem vorigen Werk – so fühlte es sich an wie Heimkehren, als ich in Sams Geschichte abgetaucht bin.

Die Freundschaft zwischen ihm und den drei älteren Kolleg:innen aus dem Kino ist mir besonders ans Herz gegangen, vor allem die zaghafte Liebesgeschichte oder die Beziehung zwischen Sam und dem schweigsamen Sportler Hightower. Auch die nachdenkliche Kirstie und der mitunter leicht abgedrehte Cameron sind in meinen Augen toll ausgearbeitete Charaktere, die man einfach lieben muss. Man begleitet die vier Freunde durch ihren Sommer und darüber hinaus, lacht mit ihnen und wünscht sich so sehr, dass sie alle einfach ihr Glück finden mögen. Zwar fand ich das Ende etwas vorersehbar, aber trotzdem sehr passend und schön gewählt – diesem Buch definitiv würdig. Einem Buch, das so viel zu erzählen hat, nahegeht und noch lange nachklingt.

Fazit


Wenn ich an Hard Land denke, erfassen mich überwältigende Gefühle voller Melancholie, Geborgenheit, Nostalgie und positiver Aufregung – oder „Euphancholie“, wie Sam diese gegensätzliche Mischung wohl nennen würde. Benedict Wells‘ Romane sind einfach etwas ganz Besonderes. Keine Ahnung, wie er es immer wieder schafft, solche genialen Geschichten aufs Papier zu bringen, aber dieses hier war definitiv nicht mein letztes Buch von ihm. Unbedingt lesen!

Bewertung: 5 von 5.

Weitere Bücher


Von Benedict Wells sind bisher sechs Romane und Kurzgeschichten-sammlungen bei Diogenes erschienen.

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